EditJavascript EditStyleSheet
  Concerto Winderstein GmbH 
 

Intro
Portrait
Repertoire
Konzerttermine
Diskographie
Kontakt
Künstlerphotos

 Seite drucken

Klavier / Gerhard Oppitz / Portrait

Reifen heißt immer wieder zurückkehren

Ein Porträt von Matthias Stehler

Als Synthese von Tradition und klassischer Moderne verstehen sich Gerhard Oppitz’ gegenwärtige Arbeitsschwerpunkte: die Erkundung der Werke von Maurice Ravel, Claude Debussy und von Sergej Rachmaninow. Und immer wieder als zentrales Massiv die Klaviermusik von Franz Liszt, den er nicht nur als manuelle Herausforderung sieht, sondern als einen immer wieder harmonisch und formal überraschend kühnen Komponisten. Natürlich auch neben der immerwährenden Kontinuität eines Ludwig van Beethoven, an dem sich jeder Pianist beständig messen muß, sich erprobt, verfeinert. Und natürlich seinem besonderen Steckenpferd Johannes Brahms: dessen Klavierwerk hat Gerhard Oppitz komplett und vielgelobt eingespielt, es wird ein leuchtender Wegstein seiner Karriere bleiben – zu dem er immer wieder gern zurückkehrt. Reifen heißt für ihn eben nicht nur nach vorn blicken, sondern immer auch Bilanz ziehen, sich seiner Mittel aufs Neue versichern.

Das frühe Lob der großen Kritiker, besonders auch von Joachim Kaiser, der seine künstlerische Entwicklung von Beginn an streng und ermunternd publizistisch begleitet hat, der schnelle Erfolg bei Publikum und Konzertveranstaltern, stießen Gerhard Oppitz jedenfalls nicht in die Einsamkeit des Erfolgreichen. „Ein großer stiller Meister aus München“, so wurde er jüngst in einer renommierten Zeitung tituliert. Denn: kann es noch einen einsameren Job geben - trotz der Beobachtung von tausend, zweitausend Paar Augen - als den, allein auf der Bühne zu sein und dort zu bestehen? Vielleicht auch deshalb begann Oppitz bereits Ende der achtziger Jahre intensiv und regelmäßig Kammermusik zu spielen; er arbeitete mit Dietrich Fischer-Dieskau und - besonders gerne - mit dem Cellisten Heinrich Schiff, dem Geiger Gil Shaham und der Klarinettistin Sabine Meyer , um im Austausch die musikalischen Energien zu wandeln und zu formen.

Konzentration, Stetigkeit, das Ganze im Blick haben bei aller Komplexität, sei es nun das Klavierspielen oder das Fliegen, das sind Wesensmerkmale von Gerhard Oppitz, dem Pianisten und passionierten Piloten. Und in weit gespannten Entwicklungen denken, sich binden können, zählt ebenso. Das drückt sich auch in seiner Lehrtätigkeit an der Münchner Musikhochschule aus. 1981, als er dorthin berufen wurde, war er der jüngste Professor in der Geschichte der Hochschule. Dort gibt er weiter, was er von seinem großen Lehrmeister, Wilhelm Kempff, gelernt und was er selbst in vielen Jahren des Konzertierens an Erfahrungen gesammelt hat. Dazu gehört auch die Kontinuität im persönlichen Leben. So ist Oppitz seiner bayerischen Heimat treu geblieben, wohnt unweit von München und bereitet dort seine Konzertprogramme vor. Dem Zentrum der Großstadt entrückt lebt er im Grünen, zusammen mit seiner japanischen Frau, die er bei einem Meisterkurs von Wilhelm Kempff kennen gelernt hat.

Begonnen hat alles sehr früh. Mit fünf Jahren lernte der im bayerischen Frauenau geborene Oppitz das Klavier kennen und es wurde sein Begleiter bis heute. Als Elfjähriger gibt er das erste öffentliche Konzert, studiert dann bei Paul Buck in Stuttgart und bei Hugo Steurer in München. 1973 machte er die Bekanntschaft von Wilhelm Kempff - die entscheidende Begegnung seiner Musikerlaufbahn. Der Lehrer wurde zum väterlichen Mentor, und das Meister-Schüler-Verhältnis ging auf in eine große Freundschaft. So war es später für Oppitz nicht nur Pflicht, die Pianisten-Meisterkurse von Kempff in Positano, an denen er einst selbst teilgenommen hatte, weiterzuführen. Gerhard Oppitz widmete ihm eine Doppel-CD mit Kempffs Bachbearbeitungen sowie mit Werken der von ihm so geschätzten Komponisten Busoni und Reger.

Im Sommer 1977, mit 24 Jahren, gewann Gerhard Oppitz den Arthur-Rubinstein-Klavierwettbewerb in Tel Aviv. Er stand am Anfang einer viel versprechenden Karriere. Schon damals war sein Ziel, nicht mehr als fünfzig, sechzig Abende im Jahr zu konzertieren. Gerhard Oppitz hat sich im Großen und Ganzen bis heute daran gehalten. So bleibt ihm genug Zeit für seine große Leidenschaft: das Fliegen. Oppitz könnte einen Airbus mit 250 Urlaubern von München nach Palma de Mallorca steuern - wenn er wollte. Der Pianist mit dem Profi-Pilotenschein will aber gar nicht. Es reicht ihm, wenn er selbst zu seinen Konzertterminen fliegt. Der Blick und das lauschende Ohr über die Tasten seines Steinway-Flügels hinaus ist für ihn wichtig. Wenn es die Zeit erlaubt, geht er in Konzerte anderer Künstler und - leidenschaftlich gerne - in die Oper: "Ich habe für mein Cantabile-Spiel viel von guten Sängern gelernt. Das Cantabile-Spiel ist das Schwierigste für einen Pianisten."

Bei aller Vielseitigkeit, allen Interessen und Begabungen - in sieben Sprachen fühlt Gerhard Oppitz sich sicher - sein Lebenszentrum stellt die Musik dar. In ihr bildet sich sein facettenreicher Geist ab. Denn es wäre falsch, diesen Pianisten allein mit dem deutschen Repertoire, mit Haydn, Mozart, Beethoven, Schumann und vor allem Brahms zu verbinden. Zu Brahms, dem Geheimnisvollen, Unergründlichen, besteht natürlich eine tiefe Verbindung. Brahms' Klavierwerk kennt Oppitz wie kaum ein anderer Pianist, er führt es stets wieder neu auf und er hat es vollständig - viele meinen exemplarisch - auf CD eingespielt. Aber über die klassisch-romantische Klavierliteratur hinaus hat Oppitz das 20. Jahrhundert im Blick. Er spielt Werke von Witold Lutoslawski, Györgi Ligeti, Carlos Heinrich Veerhoff, Olivier Messiaen, Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen.

Gerhard Oppitz spricht leise, denkt erst und redet dann, doch was er sagt, das meint er dann auch. Ebenso ist sein Klavierspiel beschaffen. Viele seiner Schönheiten, Geheimnisse, Werte teilen sich erst beim zweiten Hören mit. Natürlich kann Oppitz blenden, verzaubern, begeistern durch aberwitzige Fingertechnik und virtuose Geläufigkeit. Das sind Gaben, die ihm niemals schwer gefallen sind, die er aber vielleicht auch deshalb gar nicht so hoch bewertet. Wichtiger ist ihm Besonnenheit, Versunkenheit, Aufgehen in einem Notentext, ihn zu durchdringen, zu strukturieren, am Klavier nachzukomponieren.

Ein solcher Künstler macht von sich nicht reden durch besonders spektakulär aus der Reihe fallende Interpretationen oder durch exaltierte Verzerrungen. Er ist besser in seiner Gesamtleistung zu begreifen, die durchaus einzig dasteht. Zumal der Künstler Gerhard Oppitz es immer geschafft hat, neben seiner Karriere ein ganz normales Leben zu leben. Befragt, was ihm in einem Konzertabend am wichtigsten sei, sagt er: “Ruhe und Konzentration des Publikums, das ist für mich der schönste Beifall.”
Als Synthese von Tradition und klassischer Moderne, so kann man die glänzend lang andauernde, immer noch steigerungsfähige Karriere des nunmehr 53jährigen Gerhard Oppitz umschreiben. Und “Kontinuität” ist dabei ein Schlüsselbegriff. Denn einer wie Oppitz hat den schnellen Ruhm nicht nötig, er hat ihn außerdem sowieso ereilt. Zielgerecht wurde er erarbeitet, selbst seinem Talent wurde nichts geschenkt. Er hat geackert, geübt und dafür Lob empfangen. Nicht immer freilich ereignet sich solches ohne Brüche und Kämpfe, Rückschläge und Abirrungen. Viel wichtiger ist Gerhard Oppitz allerdings, oben auf dem pianistischen Gipfel zu bleiben und dort nicht nur auszuharren, sondern seine Stellung auszubauen. Eben durch Kontinuität. Pianistisches Können steigert sich nicht nur in einer vertikalen Linie (die irgendwo zwangsläufig an ein manuell vorgegebenes Ende führt), sondern ab einem gewissen Niveau, gepaart mit Lebensalter und Erfahrung, in die Breite. An diesem Punkt ist Gerhard Oppitz längst.

2006

aktuelle Biografie zum downloaden:

Gerhard Oppitz


 

     
 Mail an den Webmaster -  Letzte Aktualisierung: